Notizen zur Religionsausübung in der Antike, Monotheismus in der Antike

das antike Pantheon in Rom, ältere rekonstruktionszeichnung
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Foto Thomas
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Bild: das Pantheon in Rom, ein römischer sakraler Kuppelbau, der ursprünglich ein ''allen Göttern Roms geweihtes Heiligtum'' war.

■ Die antike Welt hatte schon sehr zeitig eine Art Trennung von Staat und Kirche. Besser gesagt: es gab eine traditionelle staatliche Götterreligion, welche die staatliche Autorität begründete und unterlegte, mit den bekannten Tempeln und Tempeldiensten.

■ Hier gab es einen gewissen Grundkonsens in der Anerkennung dieser mehr formalen Staatsreligion. Dem gegenüber war das Denken der Menschen in wissenschaftlicher, philosophischer und religiöser Hinsicht quasi frei.

■ Die überkommene polytheistische Staats-Religion war besonders später eng mit dem römischen Kaiserkult verbunden und erst der Kaiser Julian hatte diese Sitte beendet. Besser gesagt, hat er hat diese alte formale Staatsreligion durch die christliche ersetzt. Die junge Kirche, die seinerzeit durch zahlreiche Verfolgungen erschöpft war, atmete durch dies Fügung auf und empfand die plötzliche Wende wie ein Wunder. Doch merkten die Kirchenoberen nicht [man war gerade mit inneren theologischen Auseinandersetzungen beschäftigt], dass die römischen Kaiser fortan die Christenheit in ihrem Einflussreich dogmatisch prägten und dass nicht selten zum Nachteil der jungen Religion. Diese Allianzen zwischen christlicher Volksreligion und antiker Staatsreligion brachte eine Neuerung mit sich. Vordem war private und öffentliche Religiosität getrennt. Mit Konstantin wurde nach und nach die Religion zur Sache des Staates.

■ Die späteren Staatsoberen waren es auch, welche Toleranz gegen andere Religionen nicht duldeten. Sie waren es, welche die Andersdenkenden verfolgten, nicht die Kirchen.
Doch letztlich ist auch diese staatschristliche Zeitepoche ein Stück antiker Kultur.

■ Zu der erwähnten zweiten Form der Religionsausübung in der Antike, zu der im privatem Sinne, muss man wissen: die Masse der privilegierten antiken Klassengesellschaft hatte schon sehr frühzeitig eine hoch entwickelte mystisch-philosophische Denkart verinnerlicht

■ Diese griechische Religionsphilosophie war weder reine Philosophie, noch reine Religion. Heute kennt man diese eigenartige Weltsicht von den Hindus. Der Hinduismus kennt weder Gründer noch Dogmen. Alles ist Religion und alles hat in ihm Platz. Und es gibt unter den Hindus Theisten [Glaube an einen persönlichen Gott], Deisten [allgemein Gottgläubige], Monotheisten, Polytheisten, und selbstverständlich auch Atheisten. Ähnliches Denken kennen wir auch von den antiken Juden und bei den Griechen war das nicht anders. Wir stehen also vor einem unendlich breit gefächerten antiken Menschenbild.

■ Am Anfang dieser griechischen Geisteskultur steht neben der allgemeinen Schule vielleicht der Initiationsritus der Orphiker und der Eleusis-Kult, in der Mitte die Philosophenschulen des Pythagoras, Sokrates, Platon und Aristoteles. Und am Beinahe-Ende die Denkart der Stoiker, der Epikuräer, die der Gnostiker und dann am vorläufigen Ende die christlich-neuplatonische Religionsphilosophie und dann die Lehrart der Hermetiker... all das ist antikes Denken!

■ Diese Art der mystischen Philosophie, war eindeutig Monotheistisch geprägt. Man sagt ja auch, dass die antike Gesellschaft mit dem Bau des Phanteons in Rom, also die Halle in der sich alle römischen Götter vereinten … dass mit diesem Bauwerk der antike Polytheismus seinen Abschluss fand.

■ Und so ist es nicht ganz korrekt, wenn wir denken, die Juden wären damals das einzige Volk gewesen, die an den einen monotheistischen Gott glaubten. Außerdem kommt hinzu, dass viele der heidnischen Religionsphilosophen  in der ganzen Welt nach göttlichen Offenbarungen suchte. Man sammelte so in den antiken Bibliotheken und Archiven nicht nur die Heiligen Schriften der alten Hebräer und wertete sie aus, sondern auch alle möglichen prophetischen und religiösen Schriften der bekannten Völker. Man war also doch nicht so sehr Heide, wie wir uns das heute für gewöhnlich vorstellen.

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