Mode im Winter 1912 | Eislauf-Kostüme und Blusen für Damen

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12 01 Fiz Zeitgeschichte Bilder 50 Wintermode im Jahre 1912 Damenmode Damenkostüme
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Foto Gerlind
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Modeartikel der "Frankfurter Illustrierten Zeitung" von Dezember 1912:

Für den Eislaufsport – Wintermode 1912

Die Gedanken der Jugend wenden sich jetzt den Vergnügungen zu, die der Winter für die in Bereitschaft hält. Man kann sich kaum darüber täuschen, dass im Allgemeinen die Freude am Sport im Freien die Reize des Tanzvergnügens in den Schatten stellt. Beides ist schön zu seiner Zeit, gewiss, aber die gesunde Lust am Sport in der schneebedeckten Landschaft und auf der Eisbahn löst entschieden eine erhöhtere Lebendfreude in den jungen Herzen aus. Die Frage im Bezug auf die richtige Bekleidung kann auch hier nicht schweigen. Falsch wäre es indessen, für die Eisvergnügungen im Freien sich nach den Vorbildern zu richten, die auf den weltstädtischen künstlichen Eisbahnen in geschlossenen Räumen mit Heizung, elektrischer Beleuchtung, luxuriösen Erfrischungsräumen ec. als Muster der Eleganz aufgestellt werden. Wenn man dort auch in manchen Zügen das Charakteristische der Eislaufkostüme zu wahren sucht, so fallen doch die Rücksichten auf die Witterungsverhältnisse, die gerade für den Anzug zum Schlittschuhlaufen im Freien maßgebend sind, gänzlich fort. Im Gegensatz zu den anderen Wintersportarten kann das Einlaufkostüm sich ganz den allgemeinen Modeanforderungen anpassen. Die augenblicklich vorherrschende einfache Geschmacksrichtung für die praktischen Kostüme bedürfen deshalb, da die Röcke bereits kurz sind und durch Anbringung von Faltenteilen auch die erforderliche Weite bekommen haben, keiner Umwandlung, um als angemessene Einlaufkostüme aufzutreten. Die beliebte Besatzart der Pelzverbrämungen an den neuen Winterkostümen bietet ebenfalls eine Eigenschaft mehr, die den Ansprüchen des Eislaufkostüms entgegenkommt. Nicht minder können die gegenwärtigen kleinen Hutformen gut den Ansturm gegen Wind und Wetter aushalten. Für höhere Ansprüche und reichere Eleganz ergibt sich die ausgedehnteste Anwendung von Pelzwerk ganz von selbst. Die feine Verarbeitung der Pelzarten, besonders des Breitschwanz, Fohlen und Seal macht sie auch für ganze Kostüme verwendbar, wenn auch immer eine verschwindend kleine Anzahl von Damen, die mit wirklicher Liebe dem gesunden Eislaufsport ergeben ist, gerade auf diesem Gebiete großen Luxus zu entfalten Luft hat. Umso mehr Neigung zeigt sich aber, sehr einfache, aber dafür streng zweckmäßige Kleidung auf der Eisbahn anzunehmen.
Die warmen Wollsachen, denen die Mode jetzt ebenfalls alljährlich neue Reize durch veränderte Formen und Farbenzusammenstellungen gibt, sind deshalb zum Teil auch für diesen Sport sehr beliebt geworden. Die kleidsamen wollenen Jacken und breiten gestrickten oder gehäkelten aufgerauhten Schals, die man phantastisch um den Hals schlingt und im Winde nachflattern lässt, dazu die passenden wollenen Mützchen finden bei der frischen Jugend, die von Kleidersorgen noch nichts weiß, die meisten Anhänger. Schwarze, hellgraue, rehfarbene, honiggelbe, ja sogar rote Gamaschen aus Tuch mit Ledereinfassung geben dem einzig erlaubten, derben Schuhwerk den wünschenswerten Zusatz von Eleganz.
Unter den modernen Stoffen haben der dauerhafte und kleidsame Wollsamt und Plüsch für Eislaufkostüme große Gunst bei den Damen gefunden. Man verarbeitet dieses Material sehr einfach, und da die Nähte darin fast unsichtbar sind so ist auch die Gefahr, bei der Selbstschneiderei mit einem Misserfolge abzuschneiden nur sehr gering. Bei glatten Stoffen hingegen tritt jeder Verstoß viel leichter in die Erscheinung. Es ist vielleicht nicht überflüssig, die selbstschneidernden Damen darauf aufmerksam zu machen, dass die Nähte bei Samt und Plüsch mit ganz kleinen Stichen zusammengeheftet werden müssen.


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Recherche Übersicht: Frankfurter Illustrierte Zeitung vom 01. Dezember 1912
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