Jesus in den Medien 2008: Spiegel und Focus, Nr. 52 vom 22. Dezember 2008, Jesus und die Geschichte des Ur-Christentums ... usw.

9994 -  bunte Journale
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Foto Thomas
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■ Bisher war es ein etwas dunkler Flecken in unserm Geschichtsbild: die Zeit der frühen Christenheit und die Ereignisse um und nach Kaiser Konstantin. Die Kirchen haben nicht viel unternommen um diese Geschichtsperiode näher zu beleuchten, war es doch einer Zeit der Zänkerei und die Periode der Gründung der römischen Staatskirche. Aber immerhin: es war eine "Epoche der rasanten Ausbreitung" der jungen christlichen Religion ... so meinen wir es heute jedenfalls.

■ Doch trotz dieser hochinteressanten Kirchegeschichte ist diese Zeit von den christlichen Kirchen kaum thematisiert worden. Es war halt nicht so heroisch zu vermarkten, wie etwa die Zeitabschnitte der Christenverfolgung oder gar die Zeit Jesu. Doch nun haben Andere dieses Terrain besetzt. Die Journalisten von Zeitung und Fernsehen. Und da kommt es bekanntlich nicht immer drauf an objektive wissenschaftliche Erkenntnisse zu vermitteln ...
Drei Beiträge aus dem Jahr 2008 will ich hier kurz erwähnen:

1. Im Spiegel: 13/2008 "Als Jesus noch ein Guru war", übrigens wurde dieses Heft auch gut verkauft - ein Zeichen, das so etwas die Leute interessiert ... das christliche Medienmagazin pro meint hierzu: >> Als „Sturmgeschütz der Demokratie“ wollte „Spiegel“-Gründer Rudolf Augstein sein Magazin verstanden wissen. In schöner Regelmäßigkeit, meist zu Weihnachten und Ostern, wird der „Spiegel“ auch zum „Sturmgeschütz der historisch-kritischen Theologie“ – in der aktuellen Ausgabe wieder.<< Ja, ja ... die haben Recht ... die These von Rudolf Augstein lautet ganz einfach so: die Christen aus den Unterschichten haben sich wie die Kaninchen vermehrt und so ihre Religion. Den luxusverwöhnten, heidnischen Römern ging es damals so, wie uns heute ... sie bekamen keine Kinder mehr und starben aus.

2. Focus, Nr. 52 vom 22. Dezember 2008, Jesus und die Geschichte des Ur-Christentums, Neue Thesen, Faszinierende Funde, Historische Tatsachen" etwas lässig geschrieben ... aber es ist mal eine recht gute Zusammenfassung über den aktuellen Stand der kritischen Geschichtsbetrachtungen in Bezug auf das frühe Christentum. Am Ende muss man sagen, die Kritiker haben momentan nix außergewöhnlich neues anzubieten ... also keine neuen Thesen, Faszinierende Funde und historische Tatsachen ...eher sind die Thesen noch schlampiger recherchiert, als die vor 50 oder 80 Jahren.
Zum Inhalt des Beitrages: Zuerst definiert man hier im Focus die Urchristen, als eine Gemeinschaft, die ihren "Himmelrich-Verkünder bereits eingebüßt hat". Nach der Focus-Recherchen waren das nach der Kreuzigung Jesu etwa 120 Gläubige. Die so genannten 12 Apostel, dann noch ein Bartholomäus und Thaddäus, Maria Magdalena, sowie "Ex-Sklaven, Handwerker, Tagelöhner, Banditen und entlaufene Guerilla-Kämpfer".

■ Dann wird versucht, den Siegeszug des Christentum soziologisch zu erklären. Dazu wird auf die Thesen US-Soziologen Rodney Stark eingegangen, wonach es vorwiegend bei den Frauen und Angehörigen von ethnischen Minderheiten zu einem "solidarischen Binneklima" in der "abgeschotteten [christlichen] Geheimorganisation kam.

■ Als nächstes hat die christliche Literatur den Siegesmarsch der Christen bedingt. Die Auswertung dieser christlichen Literatur scheint nach dem Focus heute noch fast unmöglich, denn alles könnte auch gefälscht sein ... dieses wissenschaftliche Begutachtung der neutestamentlichen Schriften mit wechselnden Ergebnissen, so der Focus gibt es schon seit Lessing ...

■ Dann gab es noch ein sagenumwobenes "Paulinisches Netzwerk" [zurückgehend auf den Paulus von Tarsus], welches quasi in der Lebensspanne des Missionaren Paulus angeblich das Christentum explosionsartig verbreitet hätte [das ist aber Unsinn, denn der Apostel Paulus stieß auf seinen Reisen fast immer schon auf vorhandene christliche Gemeinden]. Weil man aber immer noch denkt, dass der Apostel Paulus ein Mega-Missionar war und gar nicht so viel missioniert hätte können, kommt man heute lieber auf die Theorie zurück, dass das Christentum eine römische Erfindung sei. Wenn heute der Amerikaner Joseph Atwill [54 Jahre] [seines Namens ein "Privatgelehrter"] in seinem Buch "Das Messias-Rätsel" die These vertritt, dass das Christentum ein aktives Machwerk der römischen Kaiserdynastie der Flavier ist, dann ist damit wohl die Bibelkritik ihren Tiefpunkt erreicht.

■ [PS. auf die Idee, dass sich ganz viele kleine Kern-Jesus-Gemeinden, in Familienverbänden zu Jesu Lebzeiten gebildet haben könnten, auf diese Idee scheint noch niemand gekommen zu sein, denn das würde die schnelle christliche Ausbreitung im ersten Jahrhundert am einfachsten erklären und wäre auch irgendwie logisch. Warum sollte denn ein Paulus mehr Menschen "bekehrt" haben als Jesus selber??? .. war es doch Jesus, der ständig mit Römern verkehrte. Und diese verehrten ihn schon zu seinen Lebzeiten. Übrigens wusste die frühe Kirche von einem Schriftwechsel des Jesus von Nazareth mit dem König von Edessa. Eusebius berichtet darüber und auch die Doctrina Addai. Nehmen wir noch Johannes den Täufer hinzu, der ja auch frühzeitig den Messias Jesu und das Reich Gottes verkündigte - und zu ihm kamen auch sehr viele römische Soldaten - dann ist es nur zu logisch, dass das Christentum schon Jahre vor Paulus weit in der Welt verbreitet war. Nur eben nicht mit einem ausgeprägten christlichen Kultus.]

3. arte [fernsehen] im mehren Teilen mit der Sendung: Die Apokalypse, Samstag, 20. Dezember 2008 um 21.00 Uhr, Frankreich, 2007, 51mn, ARTE F, Regie: Gérard Mordillat, Jérôme Prieur

■ In der Programmbeschreibung heißt es >>Nach "Corpus Christi" und "Die Geburt des Christentums" setzen Gérard Mordillat und Jérôme Prieur ihre historische Forschungsreise durch das Neue Testament fort. Dessen letztes Buch, die Offenbarung des Evangelisten Johannes, wird auch "Die Apokalypse" genannt. Die Reihe beschreibt die Entwicklung des Christentums im Römischen Reich zwischen dem ersten und fünften Jahrhundert nach Christus und macht deutlich, warum das Christentum von einer kleinen jüdischen Sekte zur Staatsreligion des Römischen Reiches avancieren konnte. Die elfte Folge der Dokumentationsreihe sucht nach

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