Schrift - Entstehung von Schriftzeichen und Alphabeten

Bildtafel Entstehung der Schrift
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Bildtafel. Griechisches Alphabet - Entstehung Schrift Schriftzeichen, Phönizisches und Hebräisches Alphabet.
© Bildverwendung oben mit freundlicher Genehmigung von A. Remmers Museum für Bibelgeschichte Wuppertal.

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Phoenizien Schrift

Bild: Phönizische Schrift

 

Die Schriftzeichen waren ursprünglich Piktogramme, also Bildzeichen. So stellte das heutige H im Anfang einen stilisierten Zaun dar. Das O war ein Auge, das Tau war ein Signum (drei Kreuze als Unterschrift der Analphabeten - hier) und das A - auf den Kopf gestellt - zeigte den Kopf eines Rindes. Jedes dieser Zeichen verkörperte neben der Bedeutung als Sprachlaut auch einen Zahlenwert (die Buchstaben waren gleichzeitig Zahlenwerte) und daneben noch einen bestimmten Gedankensinn.

Das A war also auch ein Sinnbild für den Ausgangspunkt - den Anfang - so, wie sich etwa eine Rinderherde von wenigen Tieren in unzählbar viele Herdentiere ausbreitet. Der letzte Buchstabe, das Tau = X liegt der Grundgedanke der Beendung, der "Besiegelung" zugrunde. In dieser Art nutzten unsere Vorfahren die Schriftzeichen auch für mystische Betrachtungen und so entstanden kompliziertere Laut-"Bilder", die uns  heute in den Bildern der Tarotkarten überkommen sind. Dabei entsprechen die 22 Trumpfkarten des Tarot im groben dem alten Uralphabet und die anderen Bildkarten sind Kombinationen jener Grundgedanken des alten Alphabetes. (nur in diesem Sinne betrachte ich die Tarotkarten) Ich finde diese Dinge deshalb so faszinierend, weil ich die Theorie vertrete, das der Mensch in diesen (ca.) 22 Lautbildern denkt - so wie der Computer vergleichsweise eben nur in zwei Lautbildern denkt - und zwar in 0 und 1. Und das ist - und bleibt dann auch einer, von den vielen Unterschieden zwischen dem menschlichen Denken und jener mit staunen betrachteten "künstlichen Intelligenz" ...

Nach diesen Anhaltspunkten habe ich einmal versucht den Wortsinn des "Garten" aufzudecken ... und ein wenig zu spekulieren ;-)    >>>


Stempel Susa Siegel Glyptik


[Zum Bild: Siegel-Stempel aus Susa um 3500 v.Chr. Die Bilder eines Tierbezwingers und eines knienden Menschen sind stark abstrahiert. Daneben finden sich schriftähnliche Zeichen in Winkel-, Zaun- und Zickzackform. Unten rechts das kammförmige Zaunsymbol ( entspricht dem Buchstaben H ) bezeichnet einen abgegrenzten "heiligen" Platz - im deutschen = Hain ]

Wer die Spekulation bis zum Ende treiben möchte, der sieht in diesem 1. Siegelbild "Adam", als den Herren über die Tiere und auf der Rückseite "Adam", als den geächteten, der nun kniend die Herrschaft über die Tiere verlor (hinter ihm das Schlangensymbol) - der Zaun ist Symbol für die Verwerfung aus dem Paradies.


Zeichen Schrift Portugal Alvao


[Zum Bild: Prähistorische, buchstabenähnliche Zeichen aus Alvao (Portugal). Die Zeichen haben große Ähnlichkeit mit dem alten Alphabet der Hebräer und Phönikier. Daneben finden sich wie oben auf dem Siegel abstrahierte Bilddarstellungen von Mensch und Tier.]

Neue alte Quellen, Hubert Grimme:

Hier habe ich noch weitere Literatur zum Thema (griechisches Alphabet) phönikisches Alphabet gefunden: "Althebräische Inschriften vom Sinai". Alphabet, Textliches, Sprachliches mit Folgerungen" von Hubert Grimme (1864-1942), Professor der semitischen Sprachen an der Universität Münster i.W. , Hannover 1923. Was ich wieder einmal für sehr bemerkenswert halte, ist die Tatsache, das damals in den zwanziger Jahren schon umfangreiches Material über älteste hebräische Zeichen (als Quelle ebenso phönikische und griechische Schrift, letztlich auch Urquelle der lateinischen) vorhanden war. Doch in späteren Veröffentlichungen hat man davon anscheinend keinerlei Notiz genommen. In der populärwissenschaftlichen Literatur wird etwa der Kalender von Gezer (1908 gefunden) - quasi als wichtigster Schriftbeweis für das alte hebräisch-phönizische Alphabet vorgewiesen - doch schon von 1904 bis 1906 wurde in englischer Sprache viel über das alte phönizische Alphabet publiziert (Raymond Weill, W.M. Flinders Petrie), was aus zahlreich gefundenen Inschriften schon bekannt war.


Sinaischrift


[Zum Bild: (Griechisches Ur-Alphabet) - Hebräisches Alphabet - Sinai-Alphabet - und älteste Hieroglyphen. Prof. Hubert Grimme hatte in seiner Publikation von 1923 unsere ältesten Schriftzeichen bis auf deren hieroglyphische Darstellung zurückverfolgt und zeigt vor allem den Zusammenhang von hieroglyphischen Zeichen zu den hieratischen Schriftzeichen und dann zu den "sinaitischen" Schriftzeichen in der Verknüpfung mit seinen hervorragenden Sprachkenntnissen.]

In Deutsch publizierte 1923 Prof. Hubert Grimme zu zahlreichen "Sinai-Texten" und bewertete diese auch und er kommentierte die Funde. Seine Auswertungen sind nicht nur hochwissenschaftlich, sondern in Kommentaren auch allgemeinverständlich und hochinteressant.


Sphinx mit Sinaischriftzeichen


[Zum Bild: Sinai-Sphinx mit hebräischen Typenzeichen. Übrigens: In der Mitte ist auch das viereckige Zeichen für den "eingefriedeten Hof" zu erkennen - siehe dazu auch meine Seiten zum Thema "Ursprung des Garten"]

Drei Textauszüge von Grimme:

Alphabet

"Das altsinaitische Alphabet setzt sich aus 27 Zeichen zusammen. Von diesen sind fünf Dubletten, die mit je einem anderen Zeichen zusammen gleiche Lautwerte haben.
Jedes Schriftzeichen geht formell auf ein Ideogramm oder Determiniativ der hieratischen Schrift auf 1500 vor Christus zurück. Den Wert als Konsonant erhielt jedes dadurch, dass der Begriff des ihm zugrunde liegenden hieratischen Zeichens ins Semitische übersetzt und der Anlaut des dabei entstehenden Wortes als sein Eigenwert genommen wurde.
In fünf Fällen standen je einem semitischen Worte zwei unter sich verwandte Wortbegriffe des Ägyptischen gegenüber; das gab den Anlass zu formalen Buchstabendublette.
Alle Sinaizeichen schwebten ihrem Schöpfer als bildliche Darstellung vor; ihnen entsprechend geschah ihre Benennung, die sich in späteren semitischen Buchstabennamen erhalten hat ..."


Sprache

"Aus der vorhergehenden Erklärung der altsinaitischen Inschriften ergibt sich für ihre Sprache, dass sie ein reines hebräisch ist, dass sich an keinem irgendwie hervorstechenden Punkte von dem Idiom (Sprachvarianten) der Bibel, vor allem dem der älteren Teile derselben, entfernt, dagegen von anderen semitischen Sprachen, deren Gebiete unweit der Sinaihalbinsel liegen, wie Nord- und Süd-Arabisch und Aramäisch, stark abweicht." (Folgend werden Beispiele aufgezählt) ..."


Erste biblische Niederschriften

"Nach der biblischen Tradition ist der Sinai, von dessen Lage soeben gehandelt ist, der Ort, an welchem den Israeliten das für sie bindende Gesetz gegeben wäre. Im Vordergrund des Berichtes über dessen Mitteilung steht die feierliche Verkündigung und weiter die schriftliche Fixierung von "zehn Geboten" ... man hält es für sehr unwahrscheinlich, dass die Israeliten zur Zeit ihrer Wüstenwanderung als Sprache das reine Bibelhebräisch gehabt hätten, da dies nach Palästina, nicht aber nach Sinai, Edom oder Nordarabien hinweise. Noch größere Bedenken hat man gegen eine Aufzeichnung des mosaischen Gesetzes in einem semitischen Alphabete, weil bisher im Bereich des Nordsemitischen keine über das Jahr 1000 vor Christi hinausgehende Buchstabenschrift gefunden worden ist, und die meisten Epigraphiker die Minäer-Theorie von Eduard Glaser, wonach unsere südarabischen Inschriften bis 1200 oder gar 1300 v. C. reichen würden, zu Gunsten einer viel jüngeren Entstehung der ältesten südarabischen Schriftdenkmäler ablehnen.
Weiter zu den Sinai-Texten: ... Aus ihnen geht hervor, dass um die Mitte des zweiten Jahrtausends vor Christus auf dem Platze, wohin die Bibel die Gesetzgebung verlegte, (dem Sinai) der ägyptischen und babylonischen Typen (in der Buchstabenschrift) der Nebenbuhler entstanden ist, der bestimmt war, ihnen den Todesstoß zu versetzten.
Aus den Sinai-Inschriften geht weiter hervor, dass einer ihrer Sprachvarianten (in der man ein reines Bibelhebräisch erkennt), zuerst von der neuen Schrift Gebrauch machte und vielleicht sogar zu ihrer Entstehung den Anstoß gegeben zu haben scheint.
Hält man nur an der Identität des biblischen Sinai mit der Hochfläche Serabit-el-Hadem (ein von der damaligen Kulturwelt abgeschiedenes Gebiet) fest, so ergibt sich für die "zehn Gebote" das Hebräisch als Idiom (Sprachvarianten) und das semitische Alphabet als Mittel für ihre Aufzeichnung mit Notwendigkeit."


Literatur & Quellen:

  • Bauer, Hans "Zur Entzifferung der neuentdeckten Sinaischrift und zur Entstehung des semitischen Alphabets" Halle, 1918
  • Bea, A. "Die Entstehung des Alphabets", 1946
  • Diringer, D. L'Alfabeto nella storia della civilità" Firenze, 1937
  • "The Alphabet. A Key to the History of Mankind" London, 1949
  • "The Story of the Aleph Beth" London, 1958
  • "Writing" London, 1962
  • Ettisch, Dr. Dr. Ernst "Hebräisch, ein uraltes Hieroglyphensystem" Tel-Aviv, 1951
  • Faulmann, Karl "Geschichte der Schrift, populär-wissenschaftliche Darstellung der Entstehung der Schrift, der Sprache und der Zahlen sowie der Schriftsysteme aller Völker der Erde" Nördlingen, 1989
  • Friedrich, J. "Entzifferung verschollener Schriften und Sprachen" Berlin/Göttingen/Heidelberg, 1954
  • Grimme, Hubert (1864-1942) Professor der semitischen Sprachen an der Universität Münster i.W., Hannover 1923 "Althebräische Inschriften vom Sinai", "Alphabet, Textliches, Sprachliches mit Folgerungen"
  • Kahir, M. "Das verloren Wort - Mystik und Magie der Sprache" Bietigheim, 1980
  • Jensen, H. "Die Schrift in Vergangenheit und Gegenwart" Berlin, 1958
  • Pfohl, Gerhard "Entstehung und Entwicklung der griechischen Schrift" Darmstadt, 1968
  • Sethe, Kurt "Vom Bilde zum Buchstaben. Die Entwicklungsgeschichte der Schrift " Leipzig, 1939
  • "Vom Bilde zum Buchstaben. Die Entstehungsgeschichte der Schrift." Hildesheim, 1964
  • Tetens, Johann Nicolaus "Über den Ursprung der Sprachen und der Schrift" Berlin, 1966
  • Bild Schriftzeichen aus Alvao: Das Wort Bietigheim Mai/Juni 1994
  • Siegelbild nach Burchard Brentjes Alte Siegelkunst des Vorderen Orient Leipzig 1983