Die Strikte Observanz und die barocke Dorfkirche in Kittlitz bei Löbau (Recherchen)

Sachsen Kittlitz Kirche Freimaurerkirche
Bild zum Vergrößern anklicken DOWNLOAD
Foto Thomas
Bildrechte frei nach CC BY-NC-ND 3.0

Die "Freimaurerkirche" in Kittlitz - diese Dorfkirche wurde durch den Freiherrn von Hund an Stelle der alten, baufällig gewordenen Kirche geplant und gebaut ...

Die Bezeichnung als Freimaurerkirche ist natürlich nicht korrekt ... Freiherr von Hund war zwar Freimaurer, wie viele seiner adligen Zeitgenossen, doch er selber sah den Kirchenbau als eine "Templerkirche". Wenn man so will, so ist es der jüngste Kirchenbau des Templerordens überhaupt - die Freimaurer (wie schon im Mittelalter) führten lediglich den Bau aus ...


Mehr Information:
Freiherr von Hund und die Strikte Observanz
Recherche Übersicht: --> Kirchen und Kapellen in Sachsen
Ein Zeitzeugenbericht über die Kittlitzer Kirche aus dem Kapitelbuch des Ordens der Strikten Observanz - (Text verändert):

“In den Jahren 1750 bis 1753 nach Christi Geburt, ließen Seine Hochwürden
des Herrn Heermeisters Gnaden auf der Kommandantur Kittlitz, einem in der Ober-Lausitz
unweit von Löbau gelegenen Rittergute, wo selbst in den ehemaligen glücklichen
Ordenszeiten eine bedeutende Kommandantur gewesen und die Überreste des Gebäudes
noch bis diese Stunde zu sehen ist, als die alte Kirche, worin etliche zwanzig dort herumgelegene
Dörfer eingepfarrt sind, abbrechen, und ließ auf deren Stelle eine neue auf maconnique Art bauen.

Es gehen in einer regelmäßigen Abteilung erst drei, dann wieder drei und endlich eine: folglich sieben
Stufen bis an den Altar. Auf dem Altar steht ein großes rotes Kreuz über dem
Wappen Seiner Hochwürdigen Gnaden.

In dem Grundstein unter dem Turme, welcher 1754 gelegt worden ist, befinden sich bis dahin,
von der Zeit der unglücklichen Verfolgungen des Ordens Nachrichten.

Da kurz darauf im Jahre 1756 der bekannte große Krieg (Siebenjähriger Krieg) ausbrach,
und dortige Gegend hauptsächlich der Tummelplatz der kaiserlichen und preußischen Truppen war,
so konnte dieser Bau nicht mit Eifer fortgesetzt werden.
Während dieser Zeit fand man einen großen Stein, worauf unser Ordenskreuz erhaben gearbeitet war
und woraus man deutlich schließen konnte, dass in der Kirche an diesem Orte, wo der Stein lag,
ein hoher Templer müsse begraben worden sein.

Nach dem 1763 erfolgten Frieden wurde der Bau aus allen Kräften fortgesetzt und die Kirche
im Jahre 1764 fertig bis auf den Turm …

An dem Geburtstage höchstgedacht Seine Hochwürdigen Gnaden, den 11. September 1764, wurde
im Beisein einer großen Anzahl hoher Ordensbrüder, der zweite große Stein unter dem Altar gelegt.
Es war derselbe der obenerwähnte gefundene große Leichenstein, worauf das Kreuz gehauen.
In der Mitte dieses Steins war im Viereck ein großes Loch gemacht, worin eine zinnerne Platte,
auf welcher in unserer geheimen Chiffer Nachrichten gegeben waren. Ferner war der Bestand des
Provinzial-Capitels aufgezeichnet und nebst verschiedenen kurfürstlichen Münzen, die in diesem
Jahre geschlagen, auch ein Verzeichnis der dabei gewesenen hohen Ordensbrüder und
des Pastoris loci gelegt.
Dieses Loch war mit einem Stein bedeckt, worauf das rote Kreuz gehauen und gemalet war.
Dies ist Gottlob die erste Kirche, welche nach dem traurigen
Schicksale des Ordens in fünfte-halb-hundert Jahren in Deutschland oder in dem Heermeisterthume
an der Elbe und Oder wiederum erbauet worden ist, …“


Man spekulierte also, das sich hier in Kittlitz, in Sachsen eine Komtur der Templer befand.
Merkwürdiger Weise lässt sich von den heute bekannten geschichtlichen Aufzeichnungen her,
keine Templerniederlassung in Sachsen nachweisen, was schon recht seltsam ist –
sind doch Komtureien in Bayern, Thürigen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und aus der
Ostmark (Westliches Polen) bekannt, wobei wohl noch bemerkenswerter ist,
dass die Templer bei der Kolonialisierung der Ostmark eine vergleichbare wichtige Rolle einnahmen,
wie die der Zisterzienser in den restlichen europäischen Ländern.

Man sollte auch wissen, dass die Kittlitzer Kirche, mit ihrem, Kirchspiel die Älteste in der Lausitz ist.
Auch liegt der Ort an einer alten Fernhandelstraße, welche direkt in die Ostmark
führte (Via Regia Lusatiae Superioris). Im 12. Jahrhundert lag in Kittlitz ein königlicher
Burgenkomplex „am Übergang der Königsstraße über das Löbauer Wasser. Der Reichsburg westlich
vorgelagert war ein grabenbefestigter Wirtschaftshof und eine Königskirche,
matrix einer sehr großen Urpfarrei im heidnischen Umland. Kittlitz war Namengebender
Stammsitz königlicher Burggrafen, die sogar zur Stiftung eines Hospitals fähig waren und seit Ende
des 12. Jahrhunderts weiterführende Herrschaften in Baruth und Weißenberg mit beträchtlichem
Umfang aufbauen konnten. (nach Speer, frühe Kirchen in Sachsen) Aber es herrscht heute über die
Gründung dieser Burgenanlage keine völlige Einigkeit über deren genaue Entstehung und deren Gründer,
so dass auch von Hund Recht haben könnte. Also sind seine Spekulationen nicht völlig aus der Luft gegriffen:
Sogar ein späterer Fund, von einem mittelalterlichen Grabstein, ist in Kittlitz vorhanden,
und auch diesen Stein ziert ein tatzenkreuzähnliches Symbol.

(Ich habe diesen kleinen Exkurs in die sächsische Heimat-Geschichte eingefügt um zu zeigen,
dass Hunds Vermutungen, hier in Kittlitz, im Zentrum der Templergeschichte zu stehen,
keine euphorischen Phantastereien waren – denn im Nachhinein ist diese Schwärmerei wohl der
schlimmste Vorwurf gegenüber dem Freiherren, den die Nachwelt gebetsmühlenartig ansagt,
wenn sie sich an das Lebenswerk des Freiherren von Hund erinnert.)
(übriges: falsch ist "Baron" von Hund)

pictokon.net -> Bilder, Notizen und Recherchen zur sächsischen Geschichte.
Portrait Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf Sachsen Herrnhut Zinzendorf Grab Sachsen Kittlitz Kirche Freimaurerkirche Sachsen Kittlitz Schloss Freimaurerturm Sachsen Kittlitz Schloss Kindergarten