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Gartenausstellungen
Bilder-Recherchen und Notitzen: 29. Mai bis 20. September 2009 Baden-Württemberg: Gartenschau in Rechenberghausen 2009 bei Göppingen www.gartenschau-rechberghausen.de ■ Manchmal gibt es auch bei Gartenschauen die berühmte Liebe auf den ersten Blick. Als die Münchner Landschaftsarchitektin Eva Fischer im Sommer 2003 erstmals die Ausschreibungsunterlagen für die Gartenschau Rechberghausen 09 auf dem Schreibtisch hatte, nahm der künftige Landschaftspark in ihren Gedanken rasch Gestalt an. „Die örtlichen Gegebenheiten haben uns sofort angesprochen“, erinnert sie sich an den ersten Eindruck, den sie und ihr Partner Michael Heumann von dem Projekt hatten. „Die vorhandenen Strukturen und das ansprechende Gelände versprachen ideale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung unserer Ideen.“ ■ Das Konzept des Büros ‚fischer heumann landschaftsarchitekten’ richtet seinen Fokus auf zwei gestalterische Schwerpunkte. Zum einen wird mit der Gartenschau eine optische und räumliche Verbindung zwischen dem Ostrand der Gemeinde Rechberghausen und der landschaftlich reizvollen Gegend rund um die Hungerboll, einer terrassenförmig zulaufenden Anhöhe, geschaffen. Dieser Zugang war bislang durch stillgelegte Gleise, einen wuchtigen Bahndamm und einen parallel dazu verlaufenden Fluss, den Marbach, versperrt. „Entlang der einstigen Bahnlinie war der Ort bisher optisch zu Ende“, so Eva Fischer. „Unser Ziel war es deshalb einen ebenerdigen Übergang vom bebauten Bereich in die Landschaft hinein zu schaffen.“ ...
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... Dazu wurde der
Bahndamm gekappt und abgetragen, zudem entstanden zwei neue Brücken über den
Fluss. Das Gebiet östlich der ehemaligen Bahnlinie, den künftigen
Eingangsbereich der Gartenschau, gestalteten die Landschaftsarchitekten in
Zusammenarbeit mit der Gemeinde vollständig um. Verschiedene Gebäude wurden
abgerissen oder versetzt, anstelle des maroden Sportplatzes entstand ein
Landschaftssee, die ehemals unattraktive Asphaltfläche eines wenig genutzten
Festplatzes wird zu Gartenschauzeiten zum Hauptveranstaltungsort mit Zelt und
Bühne, nach der Gartenschau zum Bolzplatz für Jugendliche. „Mit diesen
gestalterischen Maßnahmen ist es uns gelungen, den Ort über die bisherige Grenze
von Bahndamm und Fluss hinaus zu erweitern und mit der angrenzenden Landschaft
zu verbinden“, erklärt Michael Heumann die Ziele des Konzepts.
■ Das zweite Augenmerk der Landschaftsplaner liegt auf den gegebenen Strukturen des Geländes, die sie mit viel Liebe zum Detail herausarbeiten oder teilweise auch erst wieder ans Tageslicht bringen. Der im Norden des Gartenschauareals verlaufende Schinderbach, ein idyllischer kleiner Fluss, wurde im wahrsten Sinne des Wortes aus der Versenkung geholt. Einst verdolt und unter die Erde verbannt, plätschert er inzwischen wieder an der Oberfläche. Einen zweiten, etwas kleineren Bach im Südteil des Geländes legte das fünfköpfige Team von ‚fischer heumann’ ebenfalls teilweise wieder offen. Auch der neu gestaltete Quellenweg nimmt die vorhandenen Strukturen des Geländes mit seinen zahlreichen Hangquellen auf und macht es für die Besucher erlebbar. ■ Für Eva Fischer sind diese vielen kleinen und größeren Reminiszenzen an die gegebene Struktur und Geschichte der Landschaft das Besondere an der Gartenschau Rechberghausen: „Blumen und intensive Ausstellungen sind bei jeder Gartenschau zu sehen. In Rechberghausen aber inszenieren wir die Besonderheiten des Ortes. Diese Gartenschau wird eine sehr eigene Handschrift tragen.“ Dazu gehören auch die ausladenden Wiesen am Hang der Hungerboll, die während der Veranstaltung ausschließlich extensiv bewirtschaftet werden dürfen. Mit Hilfe von eigens zusammengestellten Samenmischungen sollen die Besucher so ab Mai 2009 die typische Vegetation einer heimischen, strukturreichen Wiese bewundern können. „Wir haben darauf geachtet die Themen der Gartenschau den natürlichen Vorgaben zuzuordnen“, betont Michael Heumann. „Die gärtnerischen Ausstellungen befinden sich in der Nähe des urbanen Raumes, also des Ortes, je weiter sich die Besucher nach Osten bewegen, umso extensiver, landwirtschaftlicher werden die Themen. Die einzelnen Ausstellungsbereiche entwickeln sich so elegant vom urbanisierten Bereich des Orts hinein in die unbebaute Landschaft.“ ■ Unbestrittenes Wahrzeichen des Gartenschau Rechberghausen 09 ist der neue Aussichtsturm auf der Kuppe der Hungerboll. Durch einen Rundweg in das Gelände integriert, thront er über dem gesamten Areal und bietet den Besuchern einen fantastischen Ausblick über das Albvorland. Ebenfalls geschickt in das Gestaltungskonzept integriert ist die Untere Mühle, in der während der Gartenschau der Treffpunkt Baden-Württemberg sowie Gastronomie untergebracht sein werden. „Die Einbindung dieses wunderschönen historischen Gebäudes, das auf der anderen Uferseite des Marbachs liegt, war uns ein besonderes Anliegen“, so Landschaftsarchitektin Eva Fischer. „Die Mühle samt Scheuer war über die Jahre hinweg kaum genutzt. Derzeit wird sie renoviert und durch einen Weg an das Gartenschaugelände angebunden. Auch den ehemaligen Mühlkanal haben wir reaktiviert – gemäß der Tradition dieses beeindruckenden, historischen Ensembles, dessen Geschichte nun wieder für Jedermann erlebbar ist.“ ■
Die Hauptbaumaßnahmen
für die Gartenschau Rechberghausen sind inzwischen abgeschlossen, lediglich
einige temporäre Objekte wie der Eingangsbereich oder die Ausstellungspavillons
sind noch im Bau. Die Planer sind mit der Umsetzung zufrieden: „Wir liegen gut
im Zeitplan“, so Michael Heumann. „Das liegt nicht zuletzt an der hervorragenden
Zusammenarbeit aller Beteiligten.“ fischer heumann landschaftsarchitekten (Planung und Bauleitung) Eva Fischer, Michael Heumann
Büro Freiraumwerkstatt (örtliche Bauleitung) Frank Hornikel www.freiraumwerkstatt-sindelfingen.de
Zoller Architekten (Umbau Untere Mühle) Thomas Zoller
VTG Straub Ingenieurgesellschaft (Straßenbau und Gewässerhydraulik)
(1) ■ Unbestrittenes Wahrzeichen des Gartenschau Rechberghausen 09 ist der neue Aussichtsturm auf der Kuppe der Hungerboll. Durch einen Rundweg in das Gelände integriert, thront er über dem gesamten Areal und bietet den Besuchern einen fantastischen Ausblick über das Albvorland.
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